Über uns

  1. Form und Selbstverständnis des Autonomen Seminars (AutS)
  2. Die Reihen und Neigungsgruppen stellen sich vor
  3. Geschichte des AutS

1. Form und Selbstverständnis

1) Das AutS bietet einen Lektürekurs, Seminare und Vortragsreihen an.

2) Der Lektürekurs und die Seminare/Vorträge finden Donnerstags im Wechsel, also alle 14 Tage statt. Darüber hinaus gibt es Neigungsgruppen, die sich an anderen Wochentagen zu bestimmten Themen versammeln.

3) Der Lektürekurs ist auf das Denken, d.h. auf einen philosophischen Text gerichtet. Die Vortragsreihe beschäftigt sich auch mit Möglichkeiten der praktischen Umsetzung von Theorien und geht damit in die Sphäre des Politischen über.

4) Jedes Semester steht unter einem Obertitel bzw. Themenschwerpunkten, die die Lektüre und die Vorträge thematisch verklammern.

5) Die Form der Beiträge im Rahmen der Vortragsreihe ist offen. Die Vortragsreihe bietet lediglich ein Podium. Von den Themenschwerpunkten des jeweiligen Semesters kann nach Absprache abgewichen werden. Ein Auswahlverfahren gibt es nur, wenn die Termine nicht ausreichen.

6) Die Vorbereitung und Organisation der Veranstaltungen geschieht ehrenamtlich. Es gibt keinen Anspruch auf Aufwandsentschädigung oder  Fahrtkostenerstattung. Wer einen Vortrag hält, ist für alle Belange des Vortrags verantwortlich. Ausgaben für Kopien, Papier, Werbeplakate o.ä. können gegen Beleg aus der blauen Spendendose erstattet werden.

7) Die Verbreitung von Informationen über das Autonome Seminar und seine Veranstaltungen erfolgt über den AutS-E-Mail-Verteiler, den AutS-Blog und Plakataushang.

8) Das AutS ist institutionell unabhängig und finanziert sich bisher ausschließlich aus Spenden der Teilnehmenden. Die Spenden werden für Anschaffungen und Mietkosten (z.B. Web-Hosting) verwandt.

9) Es gibt keine Zugangsbeschränkungen und Erwartungshaltungen.

10) Von einem „ideologischen“ Konsens gehen wir nicht aus.

11) Die Freiheit der Rede und des Gedankens sind unantastbare Grundsätze.

12) Im Namen des Autonomen Seminars zu sprechen, wird nahezu unmöglich sein, denn es gibt kein „AutS-Wir“. Es gibt allerdings Verantwortlichkeiten gegenüber dem Autonomen Seminar.

13) Unvereinbarkeit. Das Autonome Seminar führt keine Veranstaltungen durch, die antisemitische, rassistische, nationalistische und sexistische Botschaften transportieren.

14) Philosophie und Politik gehören untrennbar zusammen. Die Vorstellung eines „reinen Denkens“ liegt uns ebenso fern wie die Verachtung der Philosophie als „bloße Interpretation“. Die Teilnehmenden bemühen sich um die Umsetzung des Gedachten in politisches Handeln oder berücksichtigen zumindest seine politischen Implikationen. Aber auch wer ohne politische Motive, allein aus Interesse am Denken und Denken lernen teilnehmen möchte, ist willkommen.

2. Die Reihen und Neigungsgruppen stellen sich vor:

Die Neigungsgruppe „Anderer Anfang-Buen Vivir“ trifft sich an jedem dritten Mittwoch des Monats. Sie erfreut sich daran, aus den philosophischen und politischen Erkenntnissen, die das Autonome Seminar gewonnen hat, Taten werden zu lassen. Dies geschieht in einem kleinen Kreis von interessierten AutS-Teilnehmenden. Neue sind herzlich willkommen! Der Vorschlag von Wolfgang Ratzel für ein Selbstverständnis der Neigungsgruppe kann hier eingesehen werden. Zur Erklärung unseres Namens: Buen Vivir („Gutes Leben“ bzw. „gut leben“, etwa in der Bedeutung von „auskömmliches Zusammenleben“) ist die spanische Übersetzung des ursprünglichen Sumak kawsay (Kichwa, regional und in alter Schreibweise auch sumac causai oder sumaj causai) bzw. Sumaq kawsay (Südliches Quechua), Alli kawsay (Kichwa, auch alli causai, ali causai oder ali causaigu) bzw. Allin kawsay (Südliches Quechua), suma qamaña (Aymara), und  ist ein zentrales Prinzip in der Weltanschauung der indigenen Völker des Andenraumes.

Die Veranstaltungsreihe Metaphysischer Antisemitismus ist ein auf lange Zeit angelegtes Projekt, das sich mit judenfeindlichen Motiven der europäischen Geistesgeschichte, vor allem in der Philosophie, befasst. Der Begriff ‚Metaphysischer Antisemitismus‘ wurde von Donatella di Cesare geprägt, um ein Konstitutivum des Denkens Martin Heideggers zu veranschaulichen. Die Juden galten ihm als ‚Agenten‘ der Metaphysik und des damit einhergehenden neuzeitlichen Rationalismus, die Heidegger durch seine Philosophie zu überwinden suchte.

3. Geschichte

Das Autonome Seminar an der Humboldt-Universität ist aus dem Studierenden-Streik 1998 hervorgegangen. Dass es Jahr für Jahr weiterbesteht, ist ein kleines Wunder, weil sich Leute – oft genug erschöpft von des Tages Mühe – zusammensetzen, und dies, um ausgerechnet gemeinsam zu denken!

Das Autonome Seminar (AutS) wurzelt in zwei Bewegungen: dem Berliner Studierendenstreik (November 1997 bis April 1998) und der Erwerbslosenbewegung, die zwischen Januar und Dezember 1998 hauptsächlich vom „Aktionsbündnis Erwerbslosenproteste in Berlin (A.EiB)“ initiiert und koordiniert wurde.

Während aus dem Studentenstreik das Projekt VOLXUNI entstand, gründete sich im Rahmen der A.EiB die AG Existenzsicherung, die das Thema „Mindesteinkommen“ als gemeinsame Forderung und Perspektive für Studierende und Erwerbslose vorschlug.

Im Wintersemester 1998/99 begannen die Veranstaltungen des Autonomen Seminars, die anfangs ganz im Zeichen der Idee einer Existenzgeldgesellschaft standen. In den Jahren darauf weitete sich der Horizont. Philosophische und gesellschaftspolitische Themen wurden in den Seminarplan aufgenommen und laden ein, Gegenentwürfe zur herrschenden Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu denken. Hinsichtlich der wissenschaftlichen Herangehensweise steht das AutS in der Tradition der Kritischen Universität von 1967/68. Insofern versteht es sich als Übungsfeld des Denken-lernens und für gesellschaftliche Praktiken.

Hinweise zur Geschichte des Autonomen Seminars finden sich auch auf unserer alten Homepage: http://autonomes-seminar-humboldt.webs.com/.