Zu Dieter Duhm: Terra Nova (Was bleibt – Anne-Kathrein)

Liebe Denker und Denkerinnen des Autonomen Seminars, mich beschäftigt noch immer
der Duhm-Abend. Ich finde, wenn jemand gute Bücher schreibt, aber in seinem Umfeld
einen autoritären Leitungsstil pflegt, dann sollte man das auseinander halten.Kein Mensch ist vollkommen. Dazu einige Beispiele. Unser allseits beliebter Geheimrat hat sich einemNachbarn gegenüber nicht fein benommen, und wie er seine Christiane behandelt hat, alsdie im Sterben lag, das war der Gipfel an Herzlosigkeit. – Der berüchtigte Shree Rajneesh Bhagwan war nicht fähig, eine Kommune erfolgreich zu führen, aber !er soll ein begnadeter !Therapeut gewesen sein. Er hat eine wirksame Art von Bioenergetik entwickelt, und von ihm stammt das Wort „Therapie ist ein Ausdruck der Liebe am Mitmenschen, Heilung ist eine Funktion der Liebe; Liebe ist die größte Therapie, und die Welt braucht Therapeuten, weil der Welt Liebe fehlt.“ – Ich kenne einen Menschen, der hat in der NS-Zeit 27 Mitglieder seiner Familie verloren. Wenn der in unserem Seminar sitzen und hören würde, daß positiv von Heidegger gesprochen wird, würde er vermutlich einen Wutanfall kriegen. Wir machen alle Fehler, unterliegen Irrtümern!
Zur Zeit lese ich „Terra nova“ und finde es gut. Etwas Esoterisches habe ich bis jetzt nur
mit den Seancen und mit den „Devas“ entdeckt. Aber wenn diese Seancen !Menschen
helfen, ein „integrales Bewußtsein“ zu entwickeln (Bahro) und damit zur Rettung der
Menschheit beitragen, dann habe ich auch nichts gegen Esoterik. Überhaupt kommt es
mir vor, als wären die Gedanken von Nietzsche, Schopenhauer, Heidegger u.a.
Philosophen, hingegen die Überlegungen von Jean Gebser, Ernst Bloch, Bahro und Duhm
werden als Esoterik eingeordnet.
Ein !Professor der Linkspartei hat ein Buch über die doppelte Transformation geschrieben.
Er beklagt, daß die Linken !keine „große Erzählung“ haben. Da ist es doch gut, daß wir
durch Duhm wenigstens positive Bilder haben: ein Heilungsbiotop. Ich sehe die Teiche
und die wieder fruchtbare Landschaft vor meinem geistigen Auge. Sie schaffen Nahrung.
Die ersten Hochkulturen der Menschheit sind in Gegenden entstanden, die guten !Boden
und günstiges Klima hatten, wodurch ein Überschuß an Nahrung entstand.
Auch die „Heilige Matrix“ gefällt mir. Matrix heißt Keimschicht. Was kann es Besseres
geben als eine Keimschicht, aus der Frieden, Liebe und Nahrung für alle Menschen
wachsen. Manchmal denke ich auch, daß Spiritualität oft mit Esoterik verwechselt wird.
Anne-Kathrein Petereit
Übrigens: Ich vermisse mein Buch „Aufbruch zur neuen Kultur“ von Duhm. Wem habe ich
es geborgt? Bitte melden.! – !Rückmeldungen !zu meiner !o. Epistel hätte ich gerne am 20.
Oktober. A.-K.
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2. Teil, abgetippt von Wolfgang:
Seit Tagen denke ich darüber nach, wie ich mein Unbehagen formuliere, ohne Euch damit
zu kränken. Denn das möchte ich natürlich nicht.
Wir haben ausführlich über unseren Glauben bzw. Nichtglauben an Gott gesprochen. Für
mich war das in sehr jungen Jahren interessant, bis ich meinen Standpunkt gefunden
hatte. Danach hatte ich noch einige Zeit geglaubt, ich müßte andere Menschen davon
überzeugen, daß es keinen Gott gibt. Bis mir das Idiotische dieser Bemühungen bewußt
wurde.
Dann diskutierten wir lange über die Frage, ob und wie viel Freiheit wir haben. Die ganze
Zeit dachte ich dabei: Was nützt das Maß an Freiheit, das Gesellschaft, Gene und
frühkindliche Erziehung zulassen, wenn wir sie nicht nützen, um die Gesellschaft zu
verändern, um das Leben auf diesem schönen Planeten zu beschützen?
Nun wollen wir die Frage bearbeiten, warum ich gut sein soll. Mir faöllen dazu zwei kurze
Statements ein.
Erich Kästner: Es gibt nichts Gutes,
außer man tut es.
Bertolt Brecht: Wenn ihr diese Welt verlasst,
dann verlasst sie nicht als gute Menschen,
sondern verlasst eine gute Welt.
Der Auftrag, gut zu sein, aktiv zu werden, ist seit Kästners und Brechts Zeiten noch viel
dringlicher geworden. Uns bleibt nicht mehr viel Zeit. Ich frage mich, wird durch unsere
wirklich interessanten akademischen Erörterungen eine einzige Art von Aussterben
gerettet, ein Kubikmeter CO2 weniger in die Atmosphäre geblasen, auch nur ein Mensch
glücklicher oder wenigstens zufriedener?
Mich enttäuscht auch die Tatsache, daß in der Neigungsgruppe maximal 5 Leute sitzen
und daß wir dort noch kein konkretes Projekt gefunden haben, was wir praktisch machen
wollen, als Gruppe oder jedes für sich.
Wenn ich keine Ableger hätte, würde ich auch wollen, daß weiterhin Menschen leben
können auf unserer Erde, zusammen mit den anderen Arten, die das gleiche Recht haben.
Sicher liegt der Fehler bei mir. Ihr habt Euch gegründet als philosophisches Seminar. Ich
aber suchte einen Welt-Verbesserungs-Klub, einen Menschheits-Rettungs-Verein.
Daß ihr konkrete Utopien aufs Programm gesetzt habt, gefällt mir sehr gut. Selbst eine zu
entwickeln, trau ich mir nicht zu. Aber könnte nicht mal jede/r einzelne Punkte auflisten,
was wir in einer künftigen Gesellschaft verändern möchten?
Als theoretische Themen schlage ich vor: die europäische Kosmologie von Johan Galtung
und die historisch entstandenen Bewußtseinsstufen nach Jean Gebser.
Ich würde als mehr praktisches Thema gern mal über Subsistenz im weiteren und engeren
Sinn sprechen, verbunden mit zukunftsfähiger Landwirtschaft, Permakultur und Terra
preta.
Nach einem einmaligen Besuch in einer Kommune, nach kurzer Führung, ohne Kontakt
mit Bewohnern (außer einem), ohne Erleben einer Veranstaltung möchte ich das wichtige
Thema nicht beenden. Wir haben auch außer „Terra nova“ keine einschlägige Literatur zur
Kenntnis genommen.
Der Amerikaner Joseph Weizenbaum hat mal gesagt:
Es ist die gefährlichste Geisteskrankheit der Gegenwart,
daß der einzelne glaubt, nichts tun zu können.
Zuletzt möchte ich Euch noch sagen, daß ich sehr froh bin, Euch gefunden zu haben. Mit
herzlichen zukunftsfähigen Grüßen
Anne Kathrein.
Sehr interessanter Artikel: Warum schweigen die Lämmer? http://free21.org/de/node/312
P.S.: „Resonanz“ interessiert mich.

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