Lektürekurs März 2015 April 2016

Die Themen vom März 2015 bis zum April 2016


28. 04. 2016 – „Nachdenken über Freiheit“

Helmut Beck – „Neurobiologie und Wille“


21. 04. 2016 – „Die Freiheit, die ich meine …“


21.01.2016 – „Nachdenken über Religion und Gott“

Jan Köttner – „Meister Eckhart – Eine Einführung in sein religiöses Denken“

Eckhart, der Mönch des Dominikanerordens lebte 1260-1329. Zu einer Zeit, als Europa sich in einer epochalen Krise befand. Seine Schriften wurden durch päpstlichen Erlass als häretisch verurteilt. Die Neuzeit ging subtiler vor: sie rechnete ihn der „Mystik“ zu – was der Aufforderung gleichkam, ihn als Denker nicht ernst zu nehmen. Wir haben viel Anlass, dem nicht zu folgen. Die deutsche Philosophie wäre ohne Eckharts Sprachschöpfungen buchstäblich kaum zu Wort gekommen. Von ihm aus können wir zudem einem Zwillingsproblem unserer Zeit begegnen: einerseits der Verfolgung reformorientierter Muslime, andererseits der Verrohung Europas gegenüber seiner eigenen wie auch fremder religiöser Überlieferung. Und nicht zuletzt stellt er vor die Frage: Wie sollen wir leben? Als Textgrundlage dienen die von T. Scheufele in vereinfachte Sprache übertragenen Auszüge aus Eckarts Predigten.
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07. 01. 2016 – „Nachdenken über Religion und Gott“

Diskussion zum Appell des Dalai Lama an die Welt: „Ethik ist wichtiger als Religion“
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16. 07. 2015 – Wolfgang Welsch: Mensch und Welt – Eine evolutionäre Perspektive der Philosophie – Teil 4

1.) Erörterung offener Fragen.
2.) Ergründung der Übereinstimmungen und Unterschiede zu Heideggers Denken des Seins.
Wolfgang Welsch kritisiert Martin Heidegger als einen Denker der „Onto-Anthropozentrik“. Laut Welsch habe Heidegger zwar den Fundamentalitätsanspruch der Anthropologie kritisiert, „[…] demzufolge würde, (Heidegger: „Kant und das Problem der Metaphysik“, Seite 191) die Anthropologie den Menschen unterbestimmen, wenn sie ihn allein von ihm selbst aus bestimme. Der Mensch müsse grundlegend aus seinem Bezug zum Sein bestimmt werden: „[…] denn so etwas wie einen Menschen, der einzig von sich aus nur Mensch ist, gäbe es nicht.“ (Heidegger: „Die Frage nach der Technik“, Seite 36)


02. 07. 2015 – Wolfgang Welsch: Mensch und Welt – Eine evolutionäre Perspektive der Philosophie – Teil 3

Präsentation der achten Vorlesung durch Thomas H. und Jürgen.
Wolfgang Welsch fasst seine achte Vorlesung wie folgt zusammen: „In der achten Vorlesung gehe ich einen Schritt weiter und betrachte die Kognition aus dem Blickwinkel der Welt: als eine Strategie des Seins, durch welche dieses nicht nur epistemisch [d.h. die Erkenntnis betreffend] seine eigene Erfassung betreibt, sondern sich auch ontologisch [d.h. das Wesen des Seins betreffend] weiter vorantreibt.“ (Seite 8) PDF-Datei


18. 06. 2015 – Wolfgang Welsch: „Mensch und Welt – Eine evolutionäre Perspektive der Philosophie“ – Teil 2

Welschs Blick auf die Evolution und Kognition – Präsentation der sechsten und siebenten Vorlesung durch Thomas H. und Jürgen.


04. 06. 2015 – Wolfgang Welsch: „Mensch und Welt – Eine evolutionäre Perspektive der Philosophie“ – Teil 1

Diskussion der ersten bis fünften Vorlesung. Gibt es zur modernen Denkform, derzufolge in allem vom Menschen auszugehen und alles auf den Menschen zurückzuführen ist, tatsächlich keine Alternative, oder ist es an der Zeit, über sie hinauszugehen? Kann der Mensch die Welt erkennen, wie sie ist, oder kann er sich nur eine menschlich gedeutete Welt zurechtlegen? PDF-Datei


21. 05. 2015 – Nietzsche-Lektüre – „Gott ist tot. Gott bleibt tot. Na und? …“

…was soll denn daran so schlimm sein? Haben wir nicht genug, worauf wir ausweichen können?“ – „Worauf zum Beispiel?“ – „Den Menschen“ – „Uns selbst“ – „Die Liebe“ – „Und das Sein: Gott kann man töten, das Sein dagegen nicht: es kann nur vergessen werden“ – so eine im Autonomen Seminar vertretene These. Aber was könnte das heißen? Und ist der Tod Gottes damit abgetan? „Ich komme zu früh“, sprach der tolle Mensch, „Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert – es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen.“ Anknüpfend an die Veranstaltung vom 29. Januar „Über Irrsinn und Befremden“ kehren wir noch einmal zu Nietzsches Aphorismus 125 aus der „Fröhlichen Wissenschaft“ zurück und fragen, ob Nietzsches Verkünder jener Todesanzeige, für uns zu spät oder immer noch zu früh kommt. PDF-Datei


30. 04. 2015 – Martin Heidegger „Der Satz vom Grund“ Teil 2


16. 04. 2015 – Martin Heidegger „Der Satz vom Grund“ – Teil 1


26. 03. 2015 – Hommage an Heideggers Denken des Seins – Teil 2

(1) Wo genau liefert Heideggers Denkweg Andockpunkte für völkische, nationalsozialistische und antisemitische Ideologien, Denkfiguren und Ressentiments?
(1a) Sind diese Andockpunkte zwingend-logische oder „nur“ mögliche Folgen des Seinsdenkens?
(1b) Muss eine Denkweise, die Andockpunkte für Nationalsozialismus und Antisemitismus liefert, verurteilt werden, weil sie diese Andockpunkte möglich macht?
(2) Wie vereinnahmen völkisch-rechtsextreme Gruppen das Heideggersche Denken des Seins für ihre Zwecke?! – genauer: Liegt überhaupt eine Vereinnahmung vor?


19. 03. 2015 – Hommage an Heideggers Denken des Seins – Teil 1

Diskussion dieser zwei Positionen:
1. Warum jetzt eine Hommage auf Heideggers Denken des Seins?
…weil derzeit die Person Heidegger als Nationalsozialist und Antisemit ins kollektive Gedächtnis eingeprägt wird. Wer den Namen Heidegger hört, soll endgültig und für immer Nazi und Antisemit und „totalitärer Denker“ (Vasek/Hohe Luft) assoziieren.
…weil vor allem aber Heideggers Werk als Denkweg, Denkweise und Werkphilosophie pauschal als nationalsozialistische und antisemitische Philosophie gebrandmarkt wird. Solches Bestreben gipfelt in solcher Schlussfolgerung: „Heideggers Sein ist sehr wohl antisemitischen Wesens“, so Georges-Arthur Goldschmidt in seiner Besprechung in der „Quinzaine littéraire“.
Hängen bleiben soll: „Heideggers Philosophie ist im Kern anti-liberal, anti-demokratisch, anti-humanistisch, anti-rational.“ (Vasek/Hohe Luft). Wer Seinsdenken hört, soll endgültig und für immer solches Denken als antisemitische NS-Philosophie verabscheuen. Genau darauf zielt die Debatte der Heidegger-HasserXinnen* und StellensucherXinnen. (Anmerkung WR: Das X repräsentiert das Dritte Geschlecht neben dem Weiblichen und Männlichen)
Martin Heidegger hat zu Lebzeiten verfügt, dass seine Schwarzen Hefte am Schluss der Gesamtausgabe veröffentlicht werden sollen. Was heißt das? Er wollte, dass seine antisemitischen und völkischen Ressentiments bekannt werden. Er wusste, dass diese Aussagen seinem Ruf schaden. Heidegger hat sich somit selbst als Heiligengestalt des Seinsdenkens demontiert. Er hat aus eigenstem Entschluss seine Aura zerstört. Gleichwohl macht er es den StellensucherXinnen schwer. Hunderte Seiten verschwurbelter, teilweise öder Kommentare müssen sie lesen, bis sie –endlich– die eine oder andere „Stelle“ finden, um sich dann angemessen „empören“ zu können. Aber genau das sollte geschehen. Heidegger selbst liefert die Empörungsvorlage, und sie empören sich. Heidegger ent-larvt seine Ressentiments, und die StellensucherXinnen berühmen sich, Heidegger ent-larvt zu haben. Heidegger ist eben ein Filou. Aber warum geschieht diese von Heidegger selbst inszenierte Demontage des Autors samt seines Denkens? Warum und worumwillen gerade jetzt? Was ist der Sinn? Weil das Heideggersche Denken des Seins eine Fundamentalkritik ermöglicht, eine Fundamentalkritik …
– der technisch-kapitalistischen Verhältnisse (des Gestells);
– der vielgestaltigen Systeme des vollendeten Nihilismus;
– des mörderischen Subjektivismus und
– des Denkens in der tödlichen Logik der Wert- und Unwertsetzung des Wert- und Verwertungsdenkens.
…weil Heideggers Seinsdenken uns begreifbar macht, dass und wie das losgelassene rechnende, menschenzentrierte Denken Ungeheuer wie Auschwitz (und Hiroshima, Tschernobyl, Fukushima, Terrorkrieg und Kriegsterror, ökosoziale Katastrophen, gigantische Ungleichheit, Artensterben u.v.m.) gebar, gebiert und gebären wird.
…weil es begreifbar macht, dass die immense Gefahr besteht,
– „dass der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand“ (Foucault, Die Ordnung der Dinge);
– dass Auschwitz in noch schrecklicherer, wenngleich anderer Gestalt, wiederkehren wird, wenn „eines Tages das rechnende Denken als das einzige in Geltung und Übung bliebe.“ (Gelassenheit, S.25).

2. Heideggers Wille zur Macht – Kurzbeitrag von Jan Köttner:
Ich möchte auf eine 1939 notierte Passage aus den Schwarzen Heften hinweisen. Der darin erwähnte Edmund Husserl war Heideggers akademischer Lehrer und machte 1933 im Zuge der Entfernung von Juden aus der deutschen Universität seinen Lehrstuhl für Heidegger frei. „Die zeitweilige Machtsteigerung des Judentums aber hat darin ihren Grund, dass die Metaphysik des Abendlandes, zumal in ihrer neuzeitlichen Entfaltung, die Ansatzstelle bot für das Sich-breitmachen einer sonst leeren Rationalität und Rechenfähigkeit, die sich auf solchem Wege eine Unterkunft im Geist verschaffte, ohne je die verborgenen Entscheidungs bezirke von sich aus fassen zu können. Je ursprünglicher und anfänglicher die künftigen Entscheidungen und Fragen werden, umso unzugänglicher bleiben sie dieser ‚Rasse‘. So ist Husserls Schritt zur phänomenologischen Betrachtung unter Absetzung gegen die psychologische Erklärung und historische Verrechnung von Meinungen von bleibender Wichtigkeit; und dennoch reicht sie nirgends in die Bezirke wesentlicher Entscheidungen, setzt vielmehr die historische Überlieferung der Philosophie überall voraus. Die notwendige Folge zeigt sich alsbald im Einschwenken in die neukantische Transzendentalphilosophie, das schließlich ein Fortschreiten zum Hegelianismus im formalen Sinne unvermeidlich machte. Mein Angriff gegen Husserl ist nicht gegen ihn allein gerichtet und überhaupt unwesentlich; der Angriff geht gegen das Versäumen der Seinsfrage, d.h. gegen das Wesen der Metaphysik als solcher.“ Heidegger fühlte sich vom „Judentum“ in der Umsetzung seines Entwurfs, wie er ihn in Seinund Zeit vorgedacht hatte, gestört und erhoffte sich von Hitlers Machtergreifung Abhilfe. Die Nationalsozialisten mochten unberechenbar und gefährlich erscheinen, aber Unberechenbarkeit war für Heidegger ja gerade ein Vorzug, ein Hoffnungsschimmer auf Überwindung der herrschenden „leeren Rationalität und Rechenfähigkeit“. Er hoffte, sich auf dem Rücken dieses entschlossenen, entfesselten Tieres dem Horizont der Seinsfrage nähern zu können: „Die große Erfahrung und Beglückung, dass der Führer eine neue Wirklichkeit erweckt hat, die unserem Denken die rechte Bahn und Stoßkraft gibt.“ (Schwarze Hefte, Herbst 1932). Er erwartete nicht, dass die Nazis eher Zugang zu den „verborgenen Entscheidungsbezirken“ hätte als das Judentum, sondern nur, dass sie Heideggers Denken „Stoßkraft“ geben, dass sie sein Denken ermächtigen. Er sah einem befreienden, entsubjektivierenden Ereignis entgegen: der Verschmelzung des Weisen und der Bestie zu einem schicksalhaften Gespann, das zu mächtig war, um sich auf akademische Scharmützel („mein Angriff gegen Husserl“) zu bescheiden: „der Angriff geht gegen das Versäumen der Seinsfrage, d.h. gegen das Wesen der Metaphysik als solcher“. Dank Heideggers Lektüre von „Mein Kampf“ wusste er schon im Jahr 1931, dass die unberechenbare Bestie das richtige Gespür habe, wer in diesem Kampf der eigentliche Feind sei: das Judentum eben. Denn zu ihm verhielten sich Bolschewismus und Amerikanismus wie zwei Golems, die vom gleichen jüdischen Rechenzentrum aus sicherer Entfernung gesteuert wurden: „Das Weltjudentum, aufgestachelt durch die aus Deutschland herausgelassenen Emigranten, ist überall unfaßbar und braucht sich bei aller Machtentfaltung nirgends an kriegerischen Handlungen zu beteiligen, wogegen uns nur bleibt, das beste Blut der Besten des eigenen Volkes zu opfern.“ (XV, 1941)

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